1994 - klassisches PC-DOS
MS-DOS 6.22
MS-DOS 6.22 steht für den klassischen PC-Alltag kurz vor Windows 95: Befehle, Startdateien und knapper konventioneller Speicher neben grafischen Windows-Umgebungen.
Ein PC-System vor Windows 95
MS-DOS 6.22 erschien 1994 und war die letzte separat im Einzelhandel angebotene MS-DOS-Version für Endkunden. Das bedeutet nicht, dass DOS danach verschwand: Die spätere Windows-9x-Linie enthielt weiterhin DOS-Komponenten für Start und Kompatibilität. Andere DOS-Systeme und der Einsatz vorhandener Installationen bestanden ebenfalls fort.
Auf dem PC steuerte MS-DOS Dateien, Geräte und den Start von Programmen. Die Bedienung über den Befehlsinterpreter COMMAND.COM blieb sichtbar, auch wenn viele Rechner direkt eine Anwendung oder eine grafische Windows-Umgebung starteten. Den größeren Zusammenhang zeigt die Geschichte der Betriebssysteme.
Prompt, Befehle und Programme
Ein Prompt wie C:\> zeigt, dass der Befehlsinterpreter auf eine Eingabe wartet. DIR listet Dateien auf, CD wechselt das Verzeichnis, COPY kopiert und TYPE zeigt eine Textdatei an.
Interne Befehle wie DIR und CD stecken in COMMAND.COM. Externe Werkzeuge wie MEM oder TREE liegen als eigene Programmdateien vor, häufig unter C:\DOS. Der Suchpfad PATH legt fest, wo DOS nach einem eingegebenen Programmnamen sucht. DOS ist dabei kein moderner Desktop mit mehreren gleichzeitig bedienten Anwendungen; im normalen Betrieb steht ein Vordergrundprogramm im Mittelpunkt. Residente Hilfsprogramme konnten dennoch im Speicher bleiben.
Vom BIOS zu den Startdateien
Das BIOS initialisiert den PC und lädt den ersten Startcode vom gewählten Datenträger. Bei einer Festplatte führt der Weg über den Startcode und den Bootsektor der aktiven Partition zu den DOS-Systemdateien. IO.SYS und MSDOS.SYS laden den DOS-Unterbau, danach kommt der Befehlsinterpreter ins Spiel. Eine verständliche Übersicht bietet Bootvorgang und Systemstart.
CONFIG.SYS wird für Treiber und grundlegende Einstellungen ausgewertet, etwa FILES für die Zahl gleichzeitig geöffneter Dateien. Mit DEVICE werden Treiber geladen; DEVICEHIGH kann geeignete Treiber in obere Speicherblöcke verlagern, wenn diese eingerichtet sind.
AUTOEXEC.BAT ist dagegen eine Batch-Datei mit Befehlen, die beim Start ausgeführt werden. Typisch sind PATH, die Umgebungsvariable TEMP, ein angepasstes PROMPT und der Aufruf eines Programms oder von Windows. LOADHIGH lädt geeignete residente Programme in obere Speicherblöcke. Nicht jede Installation benötigt alle diese Möglichkeiten. DOS 6.x unterstützt auch mehrere Konfigurationen mit einem Auswahlmenü in CONFIG.SYS und passenden Abschnitten in AUTOEXEC.BAT.
640 KB, UMB, XMS und EMS
Viele DOS-Programme benötigen konventionellen Speicher im unteren Adressbereich bis zur 640-KB-Grenze. DOS, Treiber und residente Programme belegen davon einen Teil. Mehr eingebauter Arbeitsspeicher vergrößert diesen Bereich nicht einfach.
Upper Memory Blocks (UMB) sind nutzbare Blöcke im oberen Speicherbereich unterhalb von 1 MB, soweit die Hardware und die Konfiguration dort Platz lassen. Werden Treiber und Helfer dorthin verlagert, bleibt mehr konventioneller Speicher für Anwendungen frei.
XMS ist eine Schnittstelle für erweiterten Speicher oberhalb von 1 MB; HIMEM.SYS stellt sie typischerweise bereit. EMS ist ein anderes Verfahren, bei dem Speicher in ein begrenztes Adressfenster eingeblendet wird. EMM386.EXE kann auf geeigneten PCs EMS und obere Speicherblöcke bereitstellen. Welche Bereiche tatsächlich verfügbar sind, hängt von Geräten, Treibern und Einstellungen ab.
MEM hilft, die Aufteilung zu untersuchen. Das mit DOS 6.x eingeführte MEMMAKER konnte geeignete Konfigurationen auf mehr freien konventionellen Speicher hin optimieren. Es war ein Werkzeug, keine Voraussetzung für den Betrieb. Grundbegriffe erklärt Prozesse und Arbeitsspeicher.
FAT und Wege durch Verzeichnisse
Disketten verwenden im klassischen DOS-Kontext typischerweise FAT12, Festplatten unter MS-DOS 6.22 meist FAT16. Die File Allocation Table hält fest, welche Speicherblöcke zu einer Datei gehören. FAT16 hat praktische Grenzen bei Partitionsgröße und Platzausnutzung; große Zuordnungseinheiten können bei vielen kleinen Dateien Speicher verschwenden. MS-DOS 6.22 unterstützt kein FAT32.
Dateinamen folgen dem 8.3-Schema: bis zu acht Zeichen vor und drei nach dem Punkt, zum Beispiel BRIEF.TXT. Groß- und Kleinschreibung unterscheiden klassische DOS-Dateinamen nicht. Laufwerksbuchstaben wie A: und C: benennen Datenträger; Backslashes trennen Verzeichnisse, etwa C:\DOKUMENT\BRIEF.TXT.
Ein Laufwerksbuchstabe und ein Verzeichnispfad sind unterschiedliche Teile der Adresse. Ein vorangestellter Backslash verweist auf die Wurzel des jeweiligen Laufwerks. Mehr dazu unter Dateisysteme und Pfade.
Editor, Pflegewerkzeuge und DriveSpace
EDIT ist der mitgelieferte Vollbild-Texteditor für Text- und Konfigurationsdateien. In dieser DOS-Generation gehört er zum Umfeld von QBASIC, das eine BASIC-Programmierumgebung bereitstellt. DOSKEY unterstützt das Wiederholen und Bearbeiten von Befehlszeilen sowie Makros.
SCANDISK prüft Dateisystemstrukturen, DEFRAG ordnet Dateiblöcke neu und MSD zeigt Diagnoseinformationen zur Rechnerkonfiguration. Solche Werkzeuge können bei der Wartung helfen, ersetzen aber keine Sicherung wichtiger Dateien.
Eine Besonderheit von 6.22 ist DriveSpace zur Laufwerkskomprimierung. Es folgte auf die DoubleSpace-Änderungen der DOS-6.x-Reihe im Zusammenhang mit einem Patentstreit. Der Nutzen bestand im Einsparen von Speicherplatz; dafür kamen zusätzliche Komplexität und Anforderungen bei der Datenpflege hinzu.
DOS Shell: nicht mehr regulär mitgeliefert
DOS Shell, gestartet mit DOSSHELL, bot in früheren MS-DOS-Ausgaben eine menügesteuerte Dateiverwaltung. Sie gehörte nicht zum regulären Lieferumfang von MS-DOS 6.22. Microsoft stellte sie im ergänzenden Supplemental-Paket bereit.
Die DOS-Shell-artige Dateiverwaltung dieser Browser-Simulation ist daher ein bewusst gewähltes, historisch inspiriertes Bedienangebot. Sie ist keine Aussage darüber, dass jede normale 6.22-Installation DOSSHELL enthalten hätte.
Windows auf DOS und die getrennte NT-Linie
Windows 3.1 und Windows for Workgroups 3.11 sind grafische Windows-Umgebungen auf DOS-Basis. WIN startet Windows; beim regulären Beenden kann der Benutzer zum DOS-Prompt zurückkehren. Die Windows-Umgebung übernimmt während ihres Betriebs auch eigene Aufgaben der Speicher-, Geräte- und Programmverwaltung.
Windows 95 verschob den Einstieg zum grafischen Desktop und führte die 9x-Linie weiter. Auch Windows 98 und Me behielten DOS-bezogene Start- und Kompatibilitätsanteile, mit unterschiedlichen Zugriffsmöglichkeiten.
Windows NT war dagegen schon seit seiner eigenen frühen Entwicklung technisch nicht auf MS-DOS aufgebaut, nicht erst ab Windows 2000. DOS-Kompatibilität unter NT ist vom DOS-Unterbau der 9x-Linie zu unterscheiden. Der Vergleich mit Windows 3.11 zeigt den Schritt vom Prompt zur grafischen Arbeitsumgebung.
Spiele, Fachanwendungen und Netzwerkclients
Typische Anwendungen waren Spiele, Büro- und Branchensoftware sowie Entwicklungswerkzeuge. Viele PCs starteten direkt eine Fachanwendung oder Windows, sodass der Prompt im Alltag nur für Wartung und Fehlersuche erschien.
Netzwerkzugang erforderte meist zusätzliche Treiber, Clients oder Protokollstapel. Ein Netzwerkclient für Dateiserver war etwas anderes als der heutige integrierte Internetzugang. Programme wurden beispielsweise von Disketten kopiert oder über eigene Installationsprogramme eingerichtet; Paketquellen wie in heutigen Distributionen gehörten nicht zu diesem Modell. Siehe auch Softwareinstallation und Paketverwaltung.
Was die Browser-Simulation nachbildet
Der Prompt arbeitet mit einem virtuellen C:-Laufwerk und einer fest implementierten Befehlsauswahl, darunter DIR, CD, COPY, TYPE, TREE und MEM. Dazu kommen ein Texteditor, die DOS-Shell-artige Dateiverwaltung und eine Hilfe. Speicherwerte und Systeminformationen sind Beispieldaten.
Das virtuelle Laufwerk ist eine Datenstruktur im Browser, kein echtes FAT16-Dateisystem. Es gibt keine echte DOS-Shell, keine Ausführung originaler Programme und keinen Netzwerkzugriff. Eingaben lösen nur kontrollierte Aktionen innerhalb der Simulation aus; Dateien und Geräte des Besuchers bleiben unberührt.