Betriebssystemfamilie

OS/2 - der objektorientierte Schreibtisch von IBM

OS/2 war der ernsthafteste Gegenentwurf zu Windows auf dem PC. Die Workplace Shell behandelte den Schreibtisch nicht als Sammlung von Dateien, sondern als Sammlung von Objekten mit eigenen Eigenschaften.

Die Bedienidee

Wer OS/2 startete, sah keinen Startknopf und keine klassische Taskleiste. Auf dem Schreibtisch lagen Objekte wie Arbeitsplatz, OS/2-System, Laufwerke, Vorlagen und der Papierkorb. Jedes dieser Objekte ließ sich öffnen, kopieren, als Shadow an einer zweiten Stelle ablegen und über ein Einstellungsnotizbuch anpassen. Am Bildschirmrand saß in Warp 4 das WarpCenter als schmale Steuerzentrale.

Kennzeichen von OS/2

  • Workplace Shell als objektorientierte Oberfläche

    Ordner, Programme, Datenobjekte, Laufwerke und der Papierkorb sind Objekte mit Klassen, Eigenschaften und einem eigenen Menü.

  • Shadows statt einfacher Verknüpfungen

    Ein Shadow ist ein zweiter Zugang zum selben Objekt. Wird das Original umbenannt oder verschoben, bleibt der Verweis gültig.

  • Vorlagen für neue Objekte

    Aus dem Ordner Vorlagen entstehen neue Ordner, Textdokumente oder Programmobjekte desselben Typs.

  • Einstellungsnotizbücher

    Jedes Objekt hat ein Notizbuch mit Registerkarten wie Allgemein, Symbol, Sitzung, Zuordnung und Position.

  • WarpCenter statt Taskleiste

    Das WarpCenter bündelt Systemmenü, Programme, Laufwerke, Fensterliste, Uhr und Systemstatus in einer schmalen Leiste.

  • Sitzungen für OS/2, DOS und Windows

    Neben nativen Programmen liefen eine OS/2-Befehlszeile, DOS-Sitzungen und mit WIN-OS/2 auch Windows-3.x-Programme.

  • HPFS als leistungsfähiges Dateisystem

    Das High Performance File System erlaubte lange Dateinamen und zusätzliche Metadaten wie Erstell- und Änderungsdatum.

  • Präemptives Multitasking

    Das System teilte die Rechenzeit selbst zu, was OS/2 früh einen Ruf für Stabilität im Dauerbetrieb einbrachte.

Stationen von OS/2

  • OS/2 1.x von IBM und Microsoft (1987)

    Gemeinsam entwickeltes Nachfolgesystem für MS-DOS, zunächst mit textorientierter Bedienung und später mit dem Presentation Manager.

  • OS/2 2.0 mit Workplace Shell (1992)

    IBM führt den objektorientierten Schreibtisch ein: Alles auf der Oberfläche ist ein Objekt mit eigenen Einstellungen.

  • OS/2 Warp 3 (1994)

    Deutlich breiter vermarktete Ausgabe mit LaunchPad, Bonus-Software und besserer Ausstattung für Endanwender.

  • OS/2 Warp 4 (1996)

    WarpCenter löst das LaunchPad ab, dazu kommen Java-Unterstützung, OpenDoc und die Sprachbedienung VoiceType.

  • Rückzug vom Endkundenmarkt (ab 1999)

    OS/2 bleibt in Banken, Handel und Industrie lange im Einsatz, verliert aber den Desktopmarkt an Windows.

  • Nachfolger durch Dritte (ab 2001)

    Lizenzierte Weiterführungen setzen die Codebasis fort. Diese Systeme sind nicht Teil dieser Simulation.

Rechtlicher Hinweis

IBM und OS/2 sind Marken der jeweiligen Rechteinhaber. Betriebssysteme.net ist ein unabhängiges Informationsangebot und steht in keiner Verbindung zu IBM. Die dargestellten Oberflächen sind eigenständige, historisch inspirierte Simulationen. Es werden keine Originalsystemsoftware, keine Originalsymbole, keine Abbilder und kein Emulator verwendet.