1996 - IBM

OS/2 Warp 4

OS/2 Warp 4 verbindet einen 32-Bit-PC-Unterbau mit der Workplace Shell: einem Desktop aus Objekten, eigenen Einstellungen und getrennten Umgebungen für OS/2-, DOS- und Win16-Programme.

IBM und der 32-Bit-Desktop

IBM veröffentlichte OS/2 Warp 4 im Jahr 1996 als wichtige Desktop- und Client-Ausgabe der OS/2-Linie. Das 32-Bit-x86-System verband native OS/2-Anwendungen mit einer eigenen Desktoparchitektur und Kompatibilitätsumgebungen für ältere Programme.

Windows 95 ist ein zeitgenössischer Marktvergleich, erklärt OS/2 aber nicht allein. OS/2 wurde auch für Unternehmens- und Fachanwendungen eingesetzt und blieb in einzelnen Handels-, Banken- und Industrieumgebungen lange in Gebrauch. Die vorhandene Architektur und die Bindung an Anwendungen waren dabei wichtiger als ein pauschales Urteil über Stabilität.

Multitasking und Speicherschutz

OS/2 verteilt mit präemptivem Multitasking die Rechenzeit zwischen laufenden Aufgaben. Speicherschutz trennt Speicherbereiche und kann bestimmte Fehler zwischen Anwendungen abfangen. Wie zuverlässig eine konkrete Installation läuft, hängt dennoch von Treibern, Programmen und deren Zusammenarbeit ab.

Native OS/2-Programme, DOS-Sitzungen und WIN-OS/2 sind unterschiedliche Ausführungsumgebungen. Kompatibilität bedeutet nicht, dass jede alte Anwendung funktioniert oder jeder Fehler vollständig isoliert bleibt. Direkte Hardwarezugriffe und spezielle Treiber können Grenzen setzen. Grundbegriffe erläutert Multitasking.

Workplace Shell: ein Desktop aus Objekten

Die Workplace Shell (WPS) ist mehr als eine Sammlung von Dateisymbolen. Sie organisiert Dateien, Ordner, Programmobjekte, Laufwerke, Drucker und Vorlagen als Objekte mit Eigenschaften und passenden Aktionen. Ein Programmobjekt speichert etwa den Programmaufruf, Argumente und Sitzungsoptionen; es ist nicht mit der ausführbaren Datei gleichzusetzen.

Diese Objektkonfiguration bleibt über Sitzungen hinweg erhalten. Bestimmte Objekte können eine Object ID besitzen, über die sie gezielt angesprochen werden. Für die normale Bedienung steht aber das sichtbare Objekt mit seinem Einstellungsnotizbuch im Vordergrund, nicht die technische Kennung.

Die Unterscheidung zwischen Oberfläche, Objektmodell und Dateiverwaltung vertieft Desktop, Fenstermanager und Desktopumgebungen.

Shadows, Vorlagen und Einstellungsnotizbücher

Ein Shadow ist ein Verweis auf ein bestehendes Objekt. Er ermöglicht einen zweiten Zugang, ohne das Original zu kopieren. Wird nur der Shadow gelöscht, bleibt das Originalobjekt erhalten. Umgekehrt hängt der Verweis vom ursprünglichen Objekt ab.

Vorlagen, auch Templates genannt, erzeugen neue Objekte eines bestimmten Typs. Beispielsweise lässt sich daraus ein Ordner oder ein Programmobjekt anlegen. Das neu entstandene Objekt erhält eigene Einstellungen.

Settings Notebooks, hier Einstellungsnotizbücher genannt, gliedern Eigenschaften in Registerkarten. Je nach Objekttyp betreffen sie etwa Name und Symbol, Programmaufruf, Sitzung oder Zuordnungen. Es gibt daher nicht für jedes Objekt dieselben Einstellungsseiten.

WarpCenter und der Zugang zu Programmen

Das WarpCenter bündelt Programmaufrufe, Systemzugriff, Fensterliste und Anzeigen wie die Uhr in einer Leiste am Bildschirmrand. Es ergänzt die Objektbedienung der Workplace Shell um einen direkten Zugriff auf häufig benötigte Funktionen.

Warp 4 führte das WarpCenter als neuen Einstieg ein; das aus früheren Ausgaben bekannte LaunchPad blieb ebenfalls verfügbar. Damit standen unterschiedliche Zugänge zu häufig verwendeten Programmen zur Verfügung. Die Browser-Simulation konzentriert sich auf das WarpCenter.

HPFS, FAT und Extended Attributes

Das High Performance File System (HPFS) bietet lange Dateinamen und eine für damalige Festplatten ausgelegte Verzeichnis- und Speicherorganisation. FAT blieb als weiteres Dateisystem möglich, beispielsweise für den Austausch mit DOS. Das standardmäßige HPFS von Warp 4 besitzt kein Journal und keine umfassenden dateibezogenen Zugriffslisten (ACLs), wie sie andere Dateisysteme für differenzierte Berechtigungen verwenden.

Extended Attributes sind zusätzliche Metadaten zu Dateien und Verzeichnissen. OS/2 und Anwendungen können darin Informationen ablegen, die über den eigentlichen Dateiinhalt hinausgehen. Sie spielen im Umfeld der Workplace Shell eine Rolle, erklären aber nicht allein deren gesamte Objektdatenhaltung.

Beim Kopieren über andere Werkzeuge oder Dateisysteme ist die Erhaltung solcher Metadaten wichtig. Den Unterschied zwischen Inhalt, Namen und Metadaten erklärt Dateisysteme und Pfade.

DOS-Sitzungen und WIN-OS/2

Virtual DOS Machines (VDM), also virtuelle DOS-Umgebungen, ermöglichen DOS-Programme in eigenen Sitzungen. Mehrere DOS-Sitzungen können nebeneinander laufen. Je nach Programm und Konfiguration ist ein Fenster- oder Vollbildbetrieb sinnvoll. Das ist keine Garantie für beliebige DOS-Software, besonders bei direkter Hardwarebenutzung.

WIN-OS/2 ist eine angepasste Windows-3.x-Umgebung für Win16-Anwendungen. Sie kann Windows-Anwendungen innerhalb des OS/2-Umfelds zugänglich machen. Anwendungen können eine Umgebung gemeinsam nutzen oder je nach Einstellungen getrennte Sitzungen erhalten.

WIN-OS/2 ist weder Windows 95 noch eine allgemeine Kompatibilitätsschicht für dessen Win32-Programme. Native OS/2-Anwendungen verwenden wiederum eigene Schnittstellen. Die gemeinsame Oberfläche verdeckt deshalb nicht die technischen Unterschiede der Programme.

Netzwerk, Internet und ergänzende Beigaben

Warp 4 brachte Netzwerk- und TCP/IP-Funktionen für den Clientalltag mit. Verbindungen zu lokalen Netzen und Internetdiensten standen neben den traditionellen OS/2-Fachanwendungen. Die konkrete Nutzbarkeit hing von Installation, Netzwerkumgebung und Treibern ab.

Zum damaligen Umfeld gehörten Websoftware, Java-Unterstützung und VoiceType für Sprachsteuerung und Diktat. Solche Beigaben sind Merkmale des Produktpakets und seiner Zeit, nicht die Grundlage des WPS-Objektmodells. Die Simulation stellt VoiceType nur mit vorbereiteten Beispielbefehlen dar und fragt keine Mikrofonberechtigung ab.

Shredder ist kein wiederherstellbarer Papierkorb

Die historische Workplace Shell verwendete den Shredder als Löschobjekt. Dort abgelegte Objekte wurden gelöscht, nicht wie in einem modernen Windows-Papierkorb zur späteren Wiederherstellung gesammelt. Der Name bedeutet dabei keine Zusicherung einer forensisch sicheren Überschreibung aller Daten.

Der wiederherstellbare Papierkorb dieser Simulation ist ausdrücklich eine bewusste Vereinfachung und Sicherheitsfunktion zum Ausprobieren. Wiederherstellen, endgültiges Löschen und Leeren sind hier möglich, ohne daraus eine historische Standardfunktion des OS/2-Shredders abzuleiten.

Eine andere Linie des PC-Desktops

OS/2 zeigt, dass ein PC-Desktop nicht zwangsläufig um Startmenü und Dateiverknüpfungen organisiert sein muss. Die Workplace Shell verbindet Objektaktionen, Vorlagen und persistente Einstellungen zu einem eigenen Bedienmodell.

Softwareauswahl, Treiberangebot, Herstellerentscheidungen und bestehende Fachanwendungen prägten den Einsatz neben Windows. Der Vergleich OS/2 Warp 4 und Windows 95 und die Geschichte der Betriebssysteme ordnen diese parallelen Wege ein, ohne sie auf ein Sieger-Verlierer-Schema zu reduzieren.

Objekte und Sitzungen in der Simulation

  • Eine kurze, überspringbare Bootsequenz und die Workplace-Shell-inspirierte Oberfläche mit Desktopobjekten und WarpCenter.
  • Ordner in Symbol- und Detailansicht, Umbenennen, Sortieren, Shadows und Vorlagen zum Anlegen von Objekten.
  • Einstellungsnotizbücher je Objekttyp sowie virtuelle Laufwerke A:, C: und D: mit geschützten Systembereichen.
  • Eine OS/2-Befehlszeile und eine getrennte DOS-Sitzung mit fest implementierten Befehlen, außerdem eine WIN-OS/2-Demonstration mit erfundenen Programmen.
  • Systemkonfiguration, Systeminformationen, Editor, Suche, Hilfe und die VoiceType-Darstellung ohne Spracherkennung.
  • Ein bewusst wiederherstellbarer Simulationspapierkorb statt einer originalgetreuen Shredder-Nachbildung.

Es gibt keine echte OS/2-, DOS- oder Windows-Laufzeit. Alle Aktionen bleiben innerhalb der Browser-Simulation. Angaben zu Prozessor, Speicher, Geräten und Netzwerk sind Beispieldaten; Originalprogramme, Systemabbilder und Dateien des Besuchers werden nicht ausgeführt oder gelesen.

Dieses unabhängige Informationsangebot verwendet eigenständig gestaltete Oberflächen. Marken- und Simulationshinweise