Acorn Computers, 1996
RISC OS 3.7
RISC OS 3.7 war eine wichtige späte Acorn-Version der klassischen RISC-OS-Linie. Sie erschien 1996 und brachte die Unterstützung für StrongARM-Prozessorkarten im Risc PC.
Einordnung
RISC OS ist das Betriebssystem der ARM-basierten Acorn-Rechner. Es ist eine eigenständige Entwicklung und weder UNIX noch Linux noch ein Mac-Derivat. Große Teile des Systems liegen im ROM, sodass der Desktop nach dem Einschalten schnell bereitsteht.
Der Risc PC war Acorns modularer Arbeitsplatzrechner. Sein Prozessor saß auf einer austauschbaren Karte. Anfangs waren das ARM610 und später ARM710, danach kam StrongARM hinzu, der die Maschine deutlich beschleunigte. RISC OS 3.7 war die Fassung, die diese Aufrüstung unterstützte, lief aber ebenso auf Risc PCs mit älteren Prozessorkarten. Es steht damit im Übergang vom ursprünglichen Risc PC zur StrongARM-Zeit. Allgemeines zu Prozessorarchitekturen steht in Hardware, Treiber und Architektur.
Desktop: Icon Bar, Pinboard und Filer
Der Desktop von RISC OS ist eine WIMP-Umgebung aus Fenstern, Symbolen, Menüs und Zeiger, aber anders aufgebaut als bei Windows oder Mac OS. Am unteren Rand liegt die Icon Bar. Nach üblicher Konvention zeigt sie links Laufwerke und Dateisysteme, etwa Disketten und Festplatten, rechts die geladenen Anwendungen und Systemfunktionen wie den Task Manager. Eine gestartete Anwendung legt oft nur ein Symbol auf der Icon Bar ab und öffnet erst auf einen Klick hin ein Fenster.
Ein Klick auf ein Laufwerk öffnet den Filer, also ein Verzeichnisfenster. Jedes Verzeichnis bekommt ein eigenes, kompaktes Fenster. Das Pinboard ist die Hintergrundfläche, auf der sich Verweise auf Dateien, Verzeichnisse und Anwendungen ablegen lassen. Die eigentlichen Dateien bleiben dabei an ihrem Ort. Mehr zur Aufgabenteilung von Oberflächen in Desktop, Fenstermanager und Desktopumgebungen.
Select, Menu und Adjust
Das Bedienmodell kennt drei Mausaktionen. Select wählt aus und löst Aktionen aus. Menu öffnet an der Zeigerposition das Menü des Fensters oder Symbols, eine feste Menüleiste gibt es nicht. Adjust ergänzt eine Auswahl oder führt eine leicht abgewandelte Aktion aus, etwa einen Menüpunkt wählen, ohne dass das Menü sich schließt.
In der Simulation sind Menu und Adjust zusätzlich über sichtbare Knöpfe und über die rechte Maustaste erreichbar, damit alle Funktionen auch auf Notebooks und mit Touchbedienung nutzbar bleiben.
Application Directories
Eine Anwendung ist unter RISC OS ein Verzeichnis, dessen Name mit einem Ausrufezeichen beginnt, etwa !Edit. Der Filer zeigt es nicht als Ordner, sondern als Programmsymbol. Darin liegen typischerweise !Boot, das beim ersten Sehen der Anwendung Symbole und Dateitypen anmeldet, !Run, das beim Doppelklick die Anwendung startet, und !Sprites mit den Symbolen.
Installieren hieß deshalb oft nur, das Verzeichnis an einen passenden Ort zu kopieren, und Entfernen, es zu löschen. Wie andere Systeme das lösten, zeigt Softwareinstallation und Paketverwaltung.
Dateitypen und Speichern per Ziehen
Den Typ einer Datei speichert RISC OS als Metadatum zur Datei, als dreistellige Hexadezimalzahl mit einem lesbaren Namen, etwa Text, Draw oder Sprite. Eine Endung im Dateinamen braucht es dafür nicht. Der Typ bestimmt Symbol und Standardanwendung.
Charakteristisch ist das Speichern: Statt eines Dialogs mit Verzeichnisbaum erscheint ein kleines Save-as-Fenster mit Dateiname und Dateisymbol. Das Symbol zieht man in ein offenes Filer-Fenster, und die Datei wird genau dort gespeichert. Ebenso lassen sich Daten direkt in eine andere Anwendung ziehen.
Dateisystem und Pfade
Pfade nennen zuerst das Dateisystem, dann den Datenträger und danach die Verzeichnisse, getrennt durch Punkte. Das Wurzelverzeichnis heißt $. Ein Pfad sieht etwa so aus: ADFS::HardDisc4.$.Texte.Brief. Weil der Punkt Verzeichnisse trennt, kann er nicht wie unter DOS oder Windows eine Dateiendung abtrennen. Weitere Pfadsysteme im Vergleich zeigt Dateisysteme und Pfade.
Kooperatives Multitasking
Im Desktop nutzt RISC OS kooperatives Multitasking. Jede Anwendung fragt das Fenstersystem regelmäßig nach neuen Ereignissen und gibt dabei die Kontrolle ab. Arbeitet ein Programm lange, ohne diese Abfrage zu machen, warten die anderen Anwendungen so lange. Bestimmte Systemaufgaben, etwa die Behandlung von Hardware-Unterbrechungen, laufen davon unabhängig weiter.
Das TaskWindow ist eine besondere Möglichkeit: Es lässt Kommandozeilenprogramme in einem Fenster laufen, während der Desktop bedienbar bleibt. Am kooperativen Grundprinzip des Desktops ändert das nichts. Die Verfahren im Vergleich erklärt Multitasking.
Typische Anwendungen
Zum Lieferumfang gehörten unter anderem Edit als Texteditor, Draw für Vektorgrafik aus Linien, Kurven und Text sowie Paint für Pixelgrafiken im Sprite-Format, dazu zahlreiche kleine Hilfsprogramme.
Historische Bedeutung
RISC OS kombinierte eine ROM-basierte, kompakte Desktopumgebung mit einem eigenständigen Bedienmodell auf ARM-Prozessoren. Vieles davon wirkt heute ungewohnt, etwa Anwendungen als Verzeichnisse oder das Speichern per Dateisymbol. Genau diese Eigenheit macht den Vergleich mit Windows 95 lohnend, nachzulesen im Vergleich RISC OS 3.7 und Windows 95. Die größeren Linien stehen auf der Seite Geschichte.
Typische Merkmale
Icon Bar
Am unteren Bildschirmrand liegen links Laufwerke und Dateisysteme, rechts geladene Anwendungen und Systemfunktionen.
Pinboard
Der Schreibtisch nimmt Verweise auf Dateien, Verzeichnisse und Anwendungen auf. Ein entfernter Verweis löscht nichts.
Filer
Jedes Verzeichnis erscheint in einem eigenen, kompakten Fenster mit Symbol- oder Listenansicht.
Application Directories
Anwendungen sind Verzeichnisse mit führendem Ausrufezeichen und enthalten unter anderem !Boot, !Run und !Sprites.
Dateitypen
Text, Draw, Sprite, Data, Directory und Application bestimmen Symbol und Standardanwendung.
Save-as
Beim Speichern erscheint ein kleines Fenster mit Dateiname, Dateityp und einem Dateisymbol zum Ziehen.
TaskWindow
Eine Kommandozeile innerhalb der Oberfläche, in dieser Simulation mit fest verdrahtetem Befehlssatz.
Configure
Zentrale Konfiguration für Schreibtisch, Pinboard, Icon Bar, Anzeige, Maus, Tastatur, Ton, Schriften und Start.
Was die Simulation zeigt
Die Simulation zeigt Icon Bar, Pinboard mit entfernbaren Verweisen und Filer-Fenster. Application Directories erscheinen als Programmsymbole. Ein Doppelklick öffnet die passende eingebaute Demonstration der Simulation. Dateien in !Boot oder !Run werden dabei nie ausgeführt. Zum Speichern gibt es das Save-as-Fenster mit ziehbarem Dateisymbol. Dazu kommen Edit, Draw und Paint als kleine Demonstrationen, ein TaskWindow mit festem Befehlssatz, Configure, Systeminformationen und Hilfe.
Die Oberfläche ist eigenständig und historisch inspiriert. Es werden keine ROMs, keine Systemsoftware, keine Originalsymbole, keine Originalschriften und kein Emulator verwendet. Alle Angaben zu Hardware, Speicher und Modulen sind erfunden.