Grundlagen

Desktop, Fenstermanager und Desktopumgebung

Taskleiste, Dock, Toolchest oder Icon Bar: Was wir als Betriebssystem wahrnehmen, ist meist nur seine grafische Schicht. Diese Schicht besteht selbst aus mehreren Bausteinen.

Vier Begriffe auseinanderhalten

Der Desktop ist die sichtbare Arbeitsfläche mit Symbolen und Hintergrund. Die Shell ist allgemein die Schicht, über die man mit dem System arbeitet - als Kommandozeile oder als grafische Shell mit Startmenü und Dateiverwaltung. Der Fenstermanager zeichnet Fensterrahmen und regelt, wie Fenster verschoben, überlagert und minimiert werden. Eine Desktopumgebung bündelt all das mit passenden Programmen wie Dateimanager, Einstellungen und Panels zu einem abgestimmten Ganzen.

Die Oberfläche ist nicht das Betriebssystem

Kernel, Treiber, Dateisystem und Rechteverwaltung arbeiten auch dann, wenn keine grafische Oberfläche läuft. Die Desktopumgebung ist eine Anwendungsschicht darüber. Diese Trennung erklärt Kernel und Benutzeroberfläche genauer; den Gegensatz von Fenstern und Befehlen behandelt GUI und Kommandozeile.

Bei Windows ist die grafische Shell eng mit dem System verbunden, dennoch bleibt sie eine eigene Schicht. Das zeigt der Weg vom Programm-Manager in Windows 3.11 zu Startmenü und Taskleiste in Windows 95.

Warum UNIX-Systeme so verschieden aussehen

Unter UNIX-artigen Systemen war die grafische Oberfläche traditionell besonders deutlich austauschbar. Ein Fenstersystem stellt die Grundlage bereit, darauf laufen Fenstermanager und Desktopumgebungen verschiedener Hersteller oder Projekte. Deshalb können zwei Systeme mit ähnlichem Unterbau völlig unterschiedlich aussehen.

Solaris 8 verwendet das Common Desktop Environment mit seinem Front Panel. IRIX 6.5 nutzt den Indigo Magic Desktop mit Toolchest und mehreren Desks. Ubuntu 10.04 setzt GNOME 2 mit Panels ein. NeXTSTEP 3.3 bringt den Workspace Manager mit Dock und Shelf mit und verwendete ein eigenes Fenstersystem. In allen vier Fällen ist die Oberfläche eine Schicht über dem jeweiligen Betriebssystem, nicht das System selbst. Der Vergleich IRIX und Solaris stellt zwei davon direkt gegenüber.

Eigene Desktopwelten anderer Systeme

Auch außerhalb der UNIX-Welt entstanden eigenständige Konzepte. Die Workbench von AmigaOS 3.1 zeigt Laufwerke als Objekte, der GEM Desktop von Atari TOS 2.06 ordnet Arbeit über Laufwerkssymbole und eine Menüleiste. Die Workplace Shell von OS/2 Warp 4 ist objektorientiert und kennt Vorlagen und Shadows. Der Finder in Mac OS 9 verbindet Dateiverwaltung mit der globalen Menüleiste.

Oberflächen selbst vergleichen

Weil die Simulationen genau diese sichtbare Schicht nachbilden, eignen sie sich gut zum Vergleichen. Öffne etwa die Solaris-Simulation und danach die IRIX-Simulation und achte darauf, wie Programme gestartet und Fenster organisiert werden. Weitere Gegenüberstellungen findest du unter Vergleiche.