1995 · NeXT

NeXTSTEP 3.3

Die reife Fassung der NeXT-Umgebung: dunkle Oberfläche, senkrechtes Dock, Shelf und ein mehrspaltiger File Viewer über einem UNIX-Unterbau.

Merkmale

  • Workspace Manager

    Der Workspace Manager war Dateiverwaltung, Programmstarter und Schreibtisch in einem. Über das Workspace-Menü erreichte man File Viewer, neue Objekte, Informationen, Dienste, Preferences sowie Abmelden, Neustart und Ausschalten.

  • Dock am Bildschirmrand

    Das Dock lag senkrecht am Rand und zeigte quadratische Kacheln. Geöffnete Programme waren daran erkennbar, weitere Programme ließen sich dauerhaft anheften.

  • Mehrspaltiger File Viewer

    Statt einer einzelnen Ordneransicht zeigte der File Viewer den Pfad in Spalten nebeneinander. Rechts standen Vorschau und Angaben zum gewählten Objekt.

  • Shelf statt Verknüpfungen

    Im Shelf legte man Verweise auf häufig genutzte Ordner und Dokumente ab. Ein Verweis war keine Kopie: Wird er entfernt, bleibt das Original erhalten.

  • Recycler

    Gelöschte Objekte landeten zunächst im Recycler und ließen sich zurücklegen. Systembereiche waren geschützt.

Mach, BSD und die Oberfläche darüber

Technisch beruhte NeXTSTEP auf einem Mach-basierten Kernel, ergänzt um Komponenten aus BSD-UNIX. Dadurch gab es Prozesse, Dateirechte, eine Shell und die vertrauten UNIX-Verzeichnisse. Für die Bildschirmdarstellung nutzte NeXTSTEP Display PostScript statt des X Window Systems.

Workspace Manager,Dock und Shelf sind dagegen Teil der Oberfläche, nicht des Kernels. Warum diese Unterscheidung wichtig ist, erklärtKernel und Benutzeroberfläche; die Rolle von Arbeitsumgebung und Fensterverwaltung beschreibtDesktop, Fenstermanager und Desktopumgebungen.

Von der NeXT-Hardware zu weiteren Plattformen

NeXTSTEP entstand für die eigenen Rechner von NeXT mit Motorola-68k-Prozessoren. Später zog sich NeXT aus dem Hardwaregeschäft zurück und brachte das System auf weitere Architekturen, darunter Intel-PCs. Die Fassung 3.3 war daher nicht auf die NeXTstation oder den NeXTcube beschränkt.

Benutzer, root und zwei Bedienwege

Als UNIX-System kannte NeXTSTEP mehrere Benutzerkonten, Home-Verzeichnisse und den Superuser root. Normale Benutzer änderten ihre eigenen Dateien, Systembereiche blieben geschützt. Grafischer Workspace und Terminal standen gleichberechtigt nebeneinander: Dateien ließen sich im File Viewer ziehen oder in der Shell verschieben. Hintergründe dazu:Benutzer und Berechtigungen.

Vernetzte Arbeitsplätze waren vorgesehen: TCP/IP, gemeinsame Dateiserver und E-Mail gehörten zum UNIX-Umfeld, in dem NeXT-Rechner standen. Allgemeine Grundlagen erklärtNetzwerk und Internet.

Objective-C, Application Kit und Interface Builder

Besonders prägend war die Entwicklungsumgebung. Mit Objective-C, den Frameworks des Application Kit und dem Interface Builder ließen sich Oberflächen aus fertigen Objekten zusammensetzen, statt jedes Fenster von Hand zu programmieren. Das senkte den Aufwand für eigene Fachanwendungen deutlich; auf einem NeXT-Rechner entwickelte Tim Berners-Lee den ersten Webbrowser und Editor für das WWW; er war kein Bestandteil von NeXTSTEP. Die Umgebung war der bevorzugte Weg, aber keine Pflicht: Klassische UNIX-Programme in C liefen ebenfalls.

Über OPENSTEP zu Mac OS X

Nach NeXTSTEP 3.3 löste NeXT die Programmierschnittstellen als OPENSTEP vom eigenen Betriebssystem, damit sie auch auf anderen Systemen nutzbar wurden. Apple übernahm NeXT; die Übernahme wurde Anfang 1997 abgeschlossen. Mach, BSD-Komponenten und die Frameworks flossen in die Entwicklung des späterenMac OS X ein.

Mac OS X ist dennoch keine umbenannte NeXTSTEP-Version: Oberfläche, Grafiksystem, Kompatibilität zu klassischen Mac-Programmen und viele Systemteile wurden neu entwickelt oder stark verändert. Der Einfluss ist vor allem im Unterbau und in der Softwareentwicklung sichtbar. Die Einordnung zeigt dieGeschichte der Betriebssysteme.

Was sich in der Simulation nachvollziehen lässt

  • Start mit dunklem Bootbildschirm, lokalen Statuszeilen und Anmeldung als guest
  • Workspace Manager mit Desktop-Symbolen, Workspace-Menü, typischer Menüstruktur und Dock
  • File Viewer in Spaltenansicht mit Vorschau, Shelf und Informationen sowie der Recycler
  • Edit, Mail, Terminal, Preferences, WebAnzeige, Hilfe und Developer Info
  • Virtuelles Dateisystem mit /Applications, /Library, /System, /Users/guest, /Local und /tmp
  • Beschreibbar sind /Users/guest und /tmp, alle übrigen Bereiche sind geschützt

Grenzen der Simulation

Es läuft kein NeXTSTEP, kein Emulator und keine echte Shell. Es gibt keine Systemabbilder, keine Originaldateien, keinen Zugriff auf Ihre Dateien und keinen Netzwerkzugriff. Mail enthält ausschließlich erfundene Nachrichten. Angaben aus uname, ps und df sind frei erfunden. Alle Symbole und Flächen sind eigenständig gestaltet.

Einordnung

Während Windows 95 den Massenmarkt eroberte, blieb NeXTSTEP eine Umgebung für Entwicklung, Forschung, Hochschulen und Fachanwendungen. Derdirekte Vergleich mit Windows 95zeigt die unterschiedlichen Ziele deutlich.