Silicon Graphics, Juni 1998
IRIX 6.5
IRIX 6.5 erschien im Juni 1998 und führte die vorherigen Linien zusammen. Die Fassung wurde anschließend über zahlreiche 6.5.x-Ausgaben weitergepflegt und blieb lange die Grundlage vieler Silicon-Graphics-Systeme.
Einordnung
IRIX 6.5 lief auf Workstations und Servern mit MIPS-Prozessoren. Die SGI Octane ist dabei nur eine Beispielmaschine: IRIX 6.5 war nicht auf die Octane beschränkt, sondern wurde auf einer ganzen Reihe von Systemen eingesetzt, von kompakten Arbeitsplätzen bis zu großen Mehrprozessormaschinen.
Indigo Magic Desktop
Der Indigo Magic Desktop ist die Desktopumgebung von IRIX 6.5 und kein eigenes Betriebssystem. Er wirkt technisch und sachlich: gedämpfte grau-violette Flächen, kompakte Bedienelemente, rechteckige Fenster mit deutlichen Kanten und der Toolchest als fester Ausgangspunkt oben links.
Typische Merkmale
Toolchest
Das gestapelte Menüfeld oben links führt zu Desktop, Selected, Find, System und Help. Customize liegt unter Desktop, Icon Catalog und Search Tool unter Find.
4Dwm
Der Window Manager sorgt für rechteckige Fenster mit klaren 3D-Rahmen, Fokus, Stapelreihenfolge und Desks.
Desks
Mehrere Arbeitsflächen trennen Aufgaben. Fenster lassen sich einem Desk zuordnen oder auf allen anzeigen.
Desktopobjekte
Home, Systemzugang, Projekte, Medien und Papierkorb liegen als Objekte auf der Arbeitsfläche.
File Manager
Verzeichnisse als Symbole oder Liste, mit Kopieren, Verschieben, Umbenennen, Löschen und Eigenschaften.
Icon Catalog
Anwendungen, Dateien, Geräte, Personen und Hosts in einer gemeinsamen Übersicht.
Search Tool
Suche nach Name, Typ und Textinhalt im Dateisystem.
UNIX unter der Oberfläche
IRIX ist das UNIX-Betriebssystem von Silicon Graphics (SGI). Es verband eine System-V-Grundlage mit Erweiterungen aus der BSD-Welt und eigenen Entwicklungen für Grafik, Mehrprozessorbetrieb und große Datenmengen. Die IRIX-6.x-Generation unterstützte dabei auch 64-Bit-Programme auf passenden MIPS-Prozessoren.
Die Ebenen lassen sich klar trennen: Kernel, Prozesse, Dateisysteme und Netzwerkdienste bilden das Betriebssystem. Der Indigo Magic Desktop ist die Arbeitsumgebung darüber, und4Dwm ist darin der Fenstermanager, der Rahmen, Fokus und Desks verwaltet. Den Unterschied erklärtDesktop, Fenstermanager und Desktopumgebungen.
XFS und Speicher
XFS ist ein von SGI entwickeltes Journaling-Dateisystem, das bereits vor IRIX 6.5 eingeführt wurde. Es war auf sehr große Dateien und Datenträger ausgelegt, wie sie bei Video, Bildsequenzen und wissenschaftlichen Daten anfielen. Wie bei jedem UNIX gibt es keine Laufwerksbuchstaben: Platten, Wechselmedien und Netzfreigaben erscheinen als Verzeichnisse in einem gemeinsamen Baum ab/.
Die Simulation zeigt diesen Verzeichnisbaum mit Bereichen wie /usr, /etc und/home/guest, bildet aber keine echten XFS-Eigenschaften nach. Grundlagen:Dateisysteme und Pfade.
Benutzer, root und Rechte
IRIX war ein Mehrbenutzersystem. Anwender arbeiteten mit eigenen Konten und Home-Verzeichnissen, während Systembereiche nur mit root-Rechten veränderbar waren. Die bekannten UNIX-Dateirechte für Besitzer, Gruppe und alle anderen regelten den Zugriff. In der Simulation ist das nachgestellt: Als guest lässt sich in /home/guest und /tmp schreiben, geschützte Bereiche lehnen Änderungen ab. Mehr dazu unter Benutzer und Berechtigungen.
Vernetzte Workstations
SGI-Rechner standen selten allein. In Studios, Laboren und Konstruktionsabteilungen teilten sie sich Server, Projektverzeichnisse und Drucker über TCP/IP; Dateifreigaben über NFS gehörten wie auf anderen UNIX-Systemen dazu. Der Icon Catalog führte neben Programmen und Dateien auch Personen und Hosts auf. Die Hosts und Konten in der Simulation sind allerdings frei erfunden. Allgemeine Grundlagen:Netzwerk und Internet.
Arbeit an der Workstation
Silicon-Graphics-Systeme waren auf Bildberechnung, 3D-Grafik und Medienarbeit ausgelegt. Daneben liefen IRIX-Systeme auch als Server und allgemeine UNIX-Arbeitsplätze. Typische Anwender kamen aus Visualisierung, Film- und Videoproduktion, Konstruktion und Forschung. Im Alltag wechselten sie zwischen grafischen Werkzeugen und der Kommandozeile. Genau diese Mischung prägt die Oberfläche: Werkzeuge für Dateien und Medien auf der einen Seite, ein UNIX-System mit Shell auf der anderen.
Die Grafikschnittstelle OpenGL ging aus SGIs eigener Grafikbibliothek hervor und wurde später zu einem herstellerübergreifenden Standard. Große 3D-Programme dieser Zeit waren dagegen eigenständige Produkte anderer Anbieter und kein Bestandteil von IRIX.
Eine langlebige Generation
Statt neuer Hauptversionen folgten auf IRIX 6.5 über Jahre hinweg fortlaufende 6.5.x-Ausgaben, bis 6.5.30 im Jahr 2006. Einen großen Nachfolger gab es nicht mehr: Mit dem Rückgang der MIPS-Workstations endete auch die IRIX-Linie. Historisch steht IRIX 6.5 damit für die spezialisierte High-End-Grafikworkstation, deren Aufgaben später zunehmend Standard-PCs übernahmen. Die Einordnung in die UNIX-Entwicklung zeigt die Geschichte der Betriebssysteme.
Vergleich mit Solaris 8
Beide Systeme sind kommerzielle UNIX-Varianten derselben Zeit. Solaris 8 nutzt das Common Desktop Environment mit dem Front Panel am unteren Rand, IRIX 6.5 den Indigo Magic Desktop mit Toolchest oben links. Solaris war stärker im Server- und Rechenzentrumsbetrieb verankert, IRIX in Grafik und Visualisierung. Details stehen imVergleich IRIX 6.5 und Solaris 8.
Was sich in der Simulation nachvollziehen lässt
- der Toolchest als gestapeltes Menü oben links
- vier Desks, zwischen denen Fenster verteilt werden
- mehrere File-Manager-Fenster mit Symbol-, Listen- und Galerieansicht
- der Icon Catalog und das Search Tool als Einstieg zu Programmen und Dateien
- ein Terminal mit definierten UNIX-artigen Befehlen
- die 4Dwm-typische Arbeitsweise mit rechteckigen Fenstern und klaren 3D-Rahmen
Es läuft kein IRIX, kein Emulator und keine echte Shell. Geräte, Konten, Prozesse und Hosts sind erfunden, alle Daten bleiben lokal im Browser.