Sun Microsystems - 2000

Solaris 8

Solaris 8 erschien im Jahr 2000 und war eine der bekanntesten Fassungen des UNIX-Systems von Sun Microsystems. Auf dem Bildschirm zeigte sich das Common Desktop Environment mit seinem markanten Front Panel.

Einordnung

Solaris 8 war ein kommerzielles UNIX-Betriebssystem von Sun Microsystems. Es richtete sich nicht an Heimanwender, sondern an Unternehmen, Hochschulen, Forschung und technische Abteilungen, die zuverlässige Workstations und Server im Netzwerk betrieben.

Im Arbeitsalltag stand Solaris 8 sowohl auf technischen Arbeitsplätzen als auch in Rechenzentren. Entwicklung, Simulation, Datenbanken und Netzwerkdienste gehörten zu den häufigsten Aufgaben.

Merkmale der Oberfläche

  • Common Desktop Environment

    Gemeinsame UNIX-Oberfläche mit Front Panel, Subpanels und vier Arbeitsflächen.

  • Front Panel

    Zentrale Leiste am unteren Rand mit Uhr, Kalender, Mail, Dateiverwaltung, Programmen, Hilfe und Papierkorb.

  • Arbeitsflächen

    Vier Flächen mit den Namen One, Two, Three und Four trennten verschiedene Aufgaben.

  • File Manager

    Ordner als Symbole oder Liste, mit Anlegen, Umbenennen, Kopieren, Verschieben und Löschen.

  • Application Manager

    Programme in Gruppen, unabhängig vom Ort im Dateisystem.

  • Terminal

    Die Kommandozeile blieb das wichtigste Werkzeug für Verwaltung und Automatisierung.

  • Style Manager

    Farbschema, Schrift, Hintergrund, Tastatur, Maus, Audio, Bildschirm und Fensterverhalten.

SunOS 5.8 und der UNIX-Unterbau

„Solaris 8“ ist der Produktname, „SunOS 5.8“ die Bezeichnung des eigentlichen Betriebssystemkerns mit seinen Systembibliotheken. Seit Solaris 2 beruhte die Linie auf UNIX System V Release 4, das Sun gemeinsam mit AT&T weiterentwickelt hatte; ältere BSD-geprägte SunOS-Fassungen lagen davor.

Wichtig ist die Trennung der Ebenen: Kernel, Prozessverwaltung, Dateisysteme und Netzwerkdienste gehören zum Betriebssystem. Das Common Desktop Environment ist dagegen eine Desktopumgebung, die über dem X Window System läuft. Ein Server mit Solaris 8 kam deshalb oft ganz ohne grafische Oberfläche aus. Mehr zu dieser Trennung erklärt der Artikel Desktop, Fenstermanager und Desktopumgebungen.

SPARC, x86 und die Sun-Welt

Die Hauptplattform waren Rechner mit SPARC-Prozessoren, die Sun selbst entwickelte und verkaufte: vom Schreibtisch-Arbeitsplatz bis zum großen Mehrprozessor-Server. Hardware, Firmware und Betriebssystem kamen damit häufig aus einer Hand. Daneben gab es eine Ausgabe für x86-PCs, die im Alltag aber deutlich weniger verbreitet war als die SPARC-Fassung.

Mehrbenutzerbetrieb, root und Administration

Wie jedes UNIX war Solaris von Grund auf für mehrere gleichzeitig angemeldete Benutzer gedacht. Normale Konten arbeiten in ihrem eigenen Home-Verzeichnis und dürfen nur ändern, was ihnen die Dateirechte erlauben: Lesen, Schreiben und Ausführen, jeweils für Besitzer, Gruppe und alle anderen. Systemdateien unter /etc oder /usr blieben dem Superuser root vorbehalten.

Dienste wurden beim Systemstart noch über klassische Startskripte in Runlevel-Verzeichnissen gestartet, Software kam typischerweise als System-V-Paket auf das System. Administratoren arbeiteten vor allem im Terminal, oft auch aus der Ferne. Grundlagen dazu: Benutzer und Berechtigungen.

Netzwerk und NFS

Solaris war für vernetzte Umgebungen gebaut. TCP/IP gehörte selbstverständlich dazu, ebenso Dienste für Anmeldung aus der Ferne, Namensauflösung, E-Mail und Dateifreigaben. Das Network File System (NFS) stammt ursprünglich von Sun und war auf vielen UNIX-Systemen verbreitet; damit ließen sich Verzeichnisse eines Servers so einbinden, als lägen sie auf der lokalen Platte. Home-Verzeichnisse auf einem zentralen Server waren in Sun-Netzen deshalb üblich.

Einen allgemeinen Überblick bietet Netzwerk und Internet.

Dateisystem und Speicher

Lokale Platten nutzten in der Regel UFS, das klassische UNIX-Dateisystem von Solaris. Es gibt keine Laufwerksbuchstaben: Alle Datenträger und Netzfreigaben werden in einen einzigen Verzeichnisbaum ab / eingehängt. Spätere Solaris-Techniken wie ZFS gehörten noch nicht zu Solaris 8. Wie Pfade und Einhängepunkte funktionieren, zeigt Dateisysteme und Pfade.

Stellung in der Solaris-Linie

Vorgänger war Solaris 7, das auf UltraSPARC-Systemen zusätzlich zur 32-Bit-Umgebung eine 64-Bit-Betriebsumgebung einführte; auf Solaris 8 folgte 2002 Solaris 9. Solaris 8 stand damit mitten in der Zeit, in der Sun-Server im Internet- und Unternehmensbetrieb weit verbreitet waren, neben anderen kommerziellen UNIX-Systemen wie HP-UX, AIX und IRIX.

Historische Bedeutung

Solaris 8 gehört in die späte Phase der klassischen UNIX-Workstation. Kurz darauf verschoben günstige Standardrechner und freie Systeme die Gewichte. Das Common Desktop Environment blieb als Bild einer Zeit erhalten, in der mehrere Hersteller eine gemeinsame Oberfläche vereinbarten. Ein Vergleich mit Windows 2000 zeigt zwei sehr unterschiedliche Wege zum selben Ziel; die Einordnung in die UNIX-Entwicklung bietet die Geschichte der Betriebssysteme.

Was sich in der Simulation nachvollziehen lässt

  • das Front Panel mit aufklappbaren Subpanels als zentraler Startpunkt
  • der Wechsel zwischen den vier Arbeitsflächen One bis Four
  • der File Manager mit Symbol- und Listenansicht in einem UNIX-Verzeichnisbaum
  • das Terminal mit einer kleinen Auswahl typischer UNIX-Befehle
  • der Style Manager für Farben, Schrift und Fensterverhalten

Die Simulation bildet Aussehen und Bedienkonzepte nach. Es läuft kein Solaris, kein Emulator und keine echte Kommandozeile. Alle Systemangaben, Prozesse, Nachrichten und Dateien sind erfunden und bleiben ausschließlich im Browser. Wie sich CDE von IRIX unterscheidet, zeigt der Vergleich IRIX 6.5 und Solaris 8.