2005 - Mac OS X
Mac OS X 10.4 Tiger
Tiger ist die fünfte Ausgabe von Mac OS X. Es verbindet die Aqua-Oberfläche mit einem Unix-basierten Unterbau, führte Spotlight und Dashboard ein und begleitete den Wechsel der Macs von PowerPC zu Intel.
In der Browser-Simulation
Nachgebildet sind Startvorgang, eine Aqua-inspirierte Oberfläche mit globaler Menüleiste und Dock, der Finder mit virtuellem Dateisystem sowie Spotlight, Dashboard und Exposé. TextEdit, ein simuliertes Terminal, Systemeinstellungen, Aktivitätsanzeige, Hilfe, Papierkorb und ein interner Browser lassen sich öffnen. Fenster können verschoben, in der Größe verändert, ins Dock abgelegt und gezoomt werden. Das Terminal führt keine echten Befehle aus; alle Daten sind lokal erzeugt.
Mac OS X 10.4 startenEinordnung
Mac OS X 10.4 Tiger erschien 2005 und folgte auf 10.3 Panther. Die Systemlinie war seit 2001 auf dem Markt; Tiger baute sie mit neuen Programmen und Diensten aus, statt die Grundlagen erneut zu ändern. Die letzte Fassung 10.4.11 folgte 2007, im selben Jahr erschien Mac OS X 10.5 Leopard.
Darwin, XNU und Unix-Unterbau
Unter Aqua liegt Darwin, der quelloffene Kern des Systems. Sein Kernel XNU verbindet Bestandteile des Mach-Mikrokernels, etwa für Speicherverwaltung und Prozesskommunikation, mit BSD-Bestandteilen für Prozesse, Benutzer, Dateirechte und Netzwerk. Diese Grundlage stammt aus der Linie von NeXTSTEP und OPENSTEP, nicht aus dem klassischen Mac OS.
Jedes Programm läuft in einem eigenen, geschützten virtuellen Adressraum. Der Kernel verteilt die Rechenzeit präemptiv, also ohne dass Programme sie freiwillig abgeben müssen. Ein fehlerhaftes Programm betrifft dadurch in der Regel nur sich selbst; Fehler in Treibern oder im Kernel konnten das System dennoch anhalten. Den Unterschied zwischen Kernel und Oberfläche erklärt Kernel und Benutzeroberfläche.
Das Terminal öffnet den Zugang zu Unix-Werkzeugen und einer Shell. Für den Alltag blieb aber die grafische Oberfläche der normale Arbeitsplatz; die Kommandozeile war eine Ergänzung.
Aqua, Finder und Dock
Aqua prägte das Erscheinungsbild mit glänzenden Bedienelementen und runden Fensterknöpfen. Die globale Menüleiste blieb als Konzept aus dem klassischen Mac OS erhalten, erhielt aber ein neues Systemmenü sowie rechts Uhr, Statussymbole und das Spotlight-Feld.
Das Dock am unteren Rand zeigt angeheftete und laufende Programme, abgelegte Fenster und den Papierkorb. Der Finder bietet eine Seitenleiste mit Volumes und festen Orten sowie Symbol-, Listen- und Spaltenansicht. Exposé, seit Panther vorhanden, verteilt alle offenen Fenster als Übersicht über den Bildschirm. Hintergründe zu Fensterverwaltung bietet Desktop, Fenstermanager und Desktopumgebungen.
Neu in Tiger
Spotlight
Systemweite Suche auf Basis eines lokalen Index: Neben Dateinamen wurden je nach Dateityp auch Metadaten und Inhalte erfasst.
Dashboard
Eine eigene Ebene für kleine Hilfsprogramme, sogenannte Widgets, etwa Uhr, Rechner oder Notizen. Manche Widgets riefen auch Inhalte aus dem Internet ab, zum Beispiel Wetterdaten.
Automator
Wiederkehrende Abläufe ließen sich aus vorgefertigten Aktionen zu Arbeitsabläufen zusammensetzen, für einfache Aufgaben ohne eigenen Programmcode.
launchd
Ein neuer zentraler Dienst startete und überwachte Hintergrunddienste und Agenten und übernahm Aufgaben mehrerer älterer Startmechanismen.
Safari 2
Der mitgelieferte Browser erhielt unter anderem eine integrierte Unterstützung für RSS-Feeds.
Spotlight durchsucht ausschließlich lokale und eingebundene Daten, es ist keine Websuchmaschine. Dashboard-Widgets sind kleine Hilfsprogramme, keine vollwertigen Anwendungen; in der Browser-Simulation arbeiten sie ausschließlich mit lokalen Daten.
Dateisystem, Benutzer und Rechte
Typisches Dateisystem war HFS+. Die Ordnerstruktur trennt Programme in /Applications, systemweite Ressourcen in /Library, das System selbst in /System und persönliche Daten im Benutzerordner unter /Users. Jede Datei besitzt Unix-Rechte für Besitzer, Gruppe und alle anderen.
Benutzerkonten unterscheiden zwischen Standardbenutzern und Administratoren. Änderungen an systemweiten Bereichen erfordern Administratorrechte und eine Kennwortabfrage; gearbeitet wird normalerweise im eigenen Benutzerordner. Mehr dazu: Benutzer und Berechtigungen und Dateisysteme und Pfade.
Von PowerPC zu Intel
Tiger erschien 2005 zunächst für PowerPC-Macs. Anfang 2006 kamen die ersten Intel-Macs mit eigens angepassten Tiger-Fassungen auf den Markt; es lief also nicht ein identisches System unverändert auf beiden Architekturen.
Universal Binaries enthielten Programmcode für PowerPC und Intel in einer Datei. Rosetta übersetzte auf Intel-Macs viele PowerPC-Programme während der Ausführung, allerdings nicht jedes. Die Classic-Umgebung für Programme aus Mac OS 9 gab es dagegen nur auf PowerPC-Macs; auf Intel-Macs stand sie nicht zur Verfügung. Mehr zu Prozessorarchitekturen: Hardware, Treiber und Architektur.
Netzwerk und Internet
TCP/IP war die selbstverständliche Netzwerkgrundlage, ergänzt um Ethernet und WLAN. Mit Bonjour, zuvor unter dem Namen Rendezvous bekannt, fanden sich Geräte und Dienste wie Drucker oder Freigaben im lokalen Netz ohne manuelle Einrichtung. Safari 2 war der mitgelieferte Browser. Konten bei Onlinediensten spielten noch nicht die zentrale Rolle späterer Systeme. Hintergründe: Netzwerk und Internet.
Sicherheit und Updates
Sicherheit beruhte vor allem auf Benutzerkonten, Administratorrechten und Unix-Dateirechten. FileVault, seit Panther verfügbar, konnte den persönlichen Benutzerordner verschlüsseln, nicht das gesamte Startvolume. Updates kamen über die Software-Aktualisierung. Spätere macOS-Schutzfunktionen gehören nicht zu Tiger. Mehr dazu: Sicherheit und Updates.
Kontinuität und Bruch gegenüber Mac OS 9
Aus Sicht der Nutzer ist Mac OS 9 der Vorgänger: Menüleiste, Finder und Schreibtisch blieben als Ideen erkennbar. Technisch ist es kein Vorgänger des Kernels. Speicherverwaltung, Multitasking, Benutzerrechte und Unix-Unterbau wurden grundlegend neu. Die Classic-Umgebung diente auf PowerPC-Macs als Brücke für ältere Programme. Die Unterschiede fasst der Vergleich Mac OS 9 und Mac OS X 10.4 zusammen; die größere Entwicklungslinie zeigt die Geschichte der Betriebssysteme.