1999 - klassisches Mac OS

Mac OS 9

Mac OS 9 schließt die Linie des klassischen Mac OS ab, die 1984 mit dem ersten Macintosh begann. Die Bedienung wirkt aufgeräumt und vertraut, technisch beruht das System aber auf Grundlagen, die Mac OS X später vollständig ersetzte.

In der Browser-Simulation

Nachgebildet sind Startvorgang, globale Menüleiste mit Bsnet-Menü, Finder-Schreibtisch mit dem virtuellen Volume Macintosh HD und Papierkorb. Kontrollfelder, Auswahl, SimpleText, Rechner, Notizzettel, Systeminformationen, Hilfe und ein interner Browser lassen sich öffnen. Fenster können verschoben, eingeklappt, gezoomt und geschlossen werden. Es werden keine echten Systemdateien ausgeführt; alle Daten sind lokal erzeugt.

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Einordnung

Mac OS 9 erschien 1999 als letzte Hauptversion des klassischen Mac OS; die letzte Fassung 9.2.2 folgte 2001. Es lief auf PowerPC-Macs und baute auf dem Platinum-Erscheinungsbild von Mac OS 8 auf. Neu waren vor allem Funktionen für Netzwerk, Aktualisierung, Kennwortverwaltung und mehrere Benutzer.

Unter der Oberfläche blieb die Architektur des klassischen Systems erhalten. Es gab keinen Unix-Unterbau, keine Trennung von Benutzer- und Systemrechten im Unix-Sinn und keine Speicherisolation zwischen Programmen, wie sie Mac OS X später mitbrachte.

Speicher und kooperatives Multitasking

Anwendungen teilten sich die Rechenzeit kooperativ: Ein Programm gab die Kontrolle selbst an das System zurück, damit andere Programme weiterarbeiten konnten. Hielt ein Programm diese Abgabe nicht ein, konnte die gesamte Oberfläche ins Stocken geraten. Für bestimmte Hintergrundaufgaben gab es ergänzende Mechanismen, die Anwendungen selbst blieben aber kooperativ organisiert.

Auch beim Arbeitsspeicher fehlte ein vollständiger Schutz. Virtueller Speicher konnte zwar eingeschaltet werden, Programme waren jedoch nicht konsequent voneinander abgeschottet. Ein fehlerhaftes Programm konnte deshalb andere Programme oder das System beeinträchtigen, und manchmal half nur ein Neustart. Die Speichergröße einzelner Programme stellte man zudem häufig von Hand im Informationsfenster ein. Grundlagen dazu bieten Prozesse und Arbeitsspeicher und Multitasking.

Finder, Schreibtisch und globale Menüleiste

Der Finder war zugleich Dateiverwaltung und Schreibtisch. Dort lagen das Startvolume Macintosh HD, weitere eingebundene Volumes wie CDs oder Netzlaufwerke und der Papierkorb. Wer ein Volume auswerfen wollte, zog es ebenfalls in den Papierkorb.

Die Menüleiste am oberen Bildschirmrand gehörte immer zum gerade aktiven Programm. Links lag das Apfelmenü für Hilfsprogramme, rechts das Programmmenü zum Umschalten zwischen laufenden Programmen. Fenster besaßen ein Schließfeld, ein Zoomfeld und ein Feld zum Einklappen, bei dem nur die Titelleiste sichtbar blieb. Die Kontrollleiste bot schnellen Zugriff auf Einstellungen wie Lautstärke oder Bildschirmauflösung.

Systemordner, Erweiterungen und Kontrollfelder

Im Systemordner lagen die zentralen Bestandteile des Systems. Funktionen wurden zu einem großen Teil über Systemerweiterungen nachgerüstet, die beim Start geladen wurden, etwa Treiber, Netzwerkdienste oder Druckerunterstützung. Einstellungen nahm man in Kontrollfeldern vor.

Dieses Modell war sehr flexibel, verlangte aber Pflege: Vertrugen sich zwei Erweiterungen nicht, konnte das zu Fehlern beim Start oder im Betrieb führen. Mit dem Erweiterungen-Manager ließen sich Gruppen von Erweiterungen ein- und ausschalten, um die Ursache einzugrenzen. Wie Systemstart und geladene Komponenten zusammenhängen, erklärt Bootvorgang und Systemstart.

Dateisystem und Dateizuordnung

Typisch war HFS+, das ältere HFS kam auf Wechselmedien und älteren Volumes weiterhin vor. Dateien konnten neben ihren eigentlichen Daten einen sogenannten Ressourcenzweig mit Bestandteilen wie Symbolen oder Menüs besitzen.

Welches Programm ein Dokument öffnete, ergab sich nicht in erster Linie aus der Dateiendung, sondern aus Typ- und Erstellercodes, die das System zu jeder Datei speicherte; Endungen wurden vor allem beim Austausch mit anderen Systemen wichtig. Eine Rechteverwaltung mit Besitzern und Zugriffsrechten wie unter Unix gab es lokal nicht. Mehr dazu: Dateisysteme und Pfade.

Wichtige Neuerungen

  • Mehrere Benutzer

    Im klassischen Mac OS konnten mehrere Personen nun getrennte Benutzerbereiche mit eigenen Einstellungen und Dokumenten einrichten. Ein Schutz im Sinne späterer Unix-Rechte war das nicht.

  • Schlüsselbund

    Kennwörter für Server, Freigaben und Programme ließen sich gesammelt in einem verschlüsselten Schlüsselbund ablegen.

  • Sherlock 2

    Die überarbeitete Suche fand Dateien nach Namen und Inhalt und band zusätzlich Suchdienste aus dem Internet ein.

  • Software-Aktualisierung

    Systemaktualisierungen ließen sich über das Internet suchen und einspielen, statt sie einzeln zu beschaffen.

  • Dateifreigabe über TCP/IP

    Die eingebaute Dateifreigabe konnte neben AppleTalk nun auch TCP/IP nutzen und war damit in gewöhnlichen IP-Netzen erreichbar.

Netzwerk Ende der 1990er Jahre

In vielen Büros, Schulen und Druckereien war AppleTalk weiterhin wichtig, etwa für Drucker und Dateifreigaben. Über die Auswahl wählte man Drucker und Server im Netz aus. Parallel wuchs die Bedeutung von TCP/IP für Internetzugang, Webbrowser und E-Mail, häufig noch über Modem. Mac OS 9 verband beide Welten, ohne Domänen- oder Cloudkonzepte späterer Systeme. Hintergründe: Netzwerk und Internet.

Übergang zu Mac OS X

Mac OS X war kein technisch weitergebautes Mac OS 9. Sein Unterbau stammte aus der NeXTSTEP-/OPENSTEP-Linie und wurde zu einem Unix-basierten System mit geschütztem Speicher, präemptivem Multitasking und Benutzerrechten weiterentwickelt. Mac OS 9 ist damit Vorgänger aus Sicht der Produkte und Nutzer, aber kein Kernel-Vorgänger von Mac OS X.

Sichtbare Kontinuitäten erleichterten den Wechsel: globale Menüleiste, Finder und Schreibtisch mit Volumes und Papierkorb blieben als Konzept erhalten. Viele klassische Programme liefen unter frühen Mac-OS-X-Versionen in der Classic-Umgebung weiter, die ein Mac OS 9 innerhalb von Mac OS X startete. Classic gab es nur auf PowerPC-Macs. Den direkten Vergleich zeigen Mac OS X 10.4 Tiger und der Vergleich Mac OS 9 und Mac OS X 10.4.