April 2010 - Lucid Lynx

Ubuntu 10.04 LTS

Lucid Lynx verbindet den klassischen GNOME-2-Desktop mit dem LTS-Modell: zwei Panels, ein Linux-Verzeichnisbaum und zentral verwaltete Softwarepakete.

Lucid Lynx und das LTS-Modell

Ubuntu 10.04 LTS erschien im April 2010 unter dem Codenamen Lucid Lynx. LTS bedeutet Long Term Support: Solche Ausgaben richten sich an Nutzer, die eine längere Wartungsphase gegenüber einem häufigen Versionswechsel bevorzugen. Bei 10.04 unterschieden sich die damaligen Wartungszeiträume von Desktop und Server; heutige Ubuntu-Supportmodelle lassen sich nicht unverändert darauf übertragen.

10.04 war die letzte LTS-Ausgabe mit dem klassischen GNOME-2-Desktop als Standard, aber nicht die letzte Ubuntu-Version mit GNOME 2. Auch Ubuntu 10.10 verwendete ihn. Erst Ubuntu 11.04 machte Unity zur Standardoberfläche der Desktopausgabe. Das ordnet Lucid als einen Abschnitt der Linux-Desktopentwicklung ein, nicht als abruptes Ende von GNOME 2.

Distribution, Kernel und Desktop

Ubuntu basiert auf Debian, ist aber eine eigenständige Distribution mit eigener Veröffentlichungspolitik, Paketauswahl und Desktopzusammenstellung. Der Linux-Kernel übernimmt grundlegende Aufgaben wie Speicherverwaltung, Prozesse und Gerätetreiber. Darüber liegen das GNU/Linux-Benutzerland und weitere Programme; zur 10.04-Generation gehört der Kernelzweig 2.6.32.

GNOME 2.30 ist die Desktopumgebung, nicht das Betriebssystem selbst. Sie verbindet Panels, Dateimanager, Einstellungen und Anwendungen. Für Fensterverwaltung und Effekte kamen je nach Konfiguration Metacity oder Compiz zum Einsatz. Die verschiedenen Ebenen erläutert Desktop, Fenstermanager und Desktopumgebungen.

Zwei Panels und drei Menüs

Das obere Panel bündelt Anwendungen, Orte und System sowie Uhr und Statusanzeigen. Anwendungen führt zu Programmen nach Kategorien, Orte zu Ordnern und Laufwerken, System zu Einstellungen und Verwaltungsfunktionen. Die Namen teilen Aufgaben auf, statt alles hinter einem einzelnen Startknopf zu sammeln.

Im unteren Panel liegen üblicherweise die Fensterliste, der Arbeitsflächenumschalter und der Papierkorb. Die Fensterliste bringt laufende Programme wieder nach vorn. Der Dateimanager Nautilus erschließt den persönlichen Ordner und weitere Datenträger.

Arbeitsflächen sind ein in GNOME 2 etabliertes Desktopkonzept: Fenster können auf getrennte Flächen verteilt werden, etwa für Textarbeit und Terminal. Zahl und Anordnung waren konfigurierbar. Die Simulation bietet vier Arbeitsflächen; das ist keine allgemeine historische Beschränkung.

Ein Verzeichnisbaum ab /

Linux-Dateien liegen in einem gemeinsamen Verzeichnisbaum mit der Wurzel /. /home enthält normalerweise persönliche Benutzerordner, /etc systemweite Konfiguration, /usr viele installierte Programme und Ressourcen, /bin grundlegende Befehle. Weitere Datenträger werden an Verzeichnissen eingehängt, nicht über DOS-Laufwerksbuchstaben angesprochen.

Ubuntu 10.04 verwendete ext4 standardmäßig bei neuen typischen Installationen; andere Dateisysteme waren möglich. Unix-Dateinamen unterscheiden Groß- und Kleinschreibung. Brief.txt und brief.txt können deshalb unterschiedliche Dateien sein.

Der persönliche Ordner /home/besucher ist ausdrücklich das Beispiel dieser Simulation. Der tatsächliche Ordnername einer Installation hängt vom angelegten Benutzerkonto ab. Mehr dazu unter Dateisysteme und Pfade.

Benutzerrechte und sudo

Dateien und Verzeichnisse besitzen einen Eigentümer, eine Gruppe und Zugriffsrechte. Normale Benutzer dürfen ihre eigenen Dateien bearbeiten. Viele Systembereiche können sie lesen, aber nicht beliebig verändern; auch das Lesen hängt vom jeweiligen Pfad und seinen Rechten ab.

Für Verwaltungsaufgaben kann ein berechtigter Benutzer mit sudo einzelne Befehle mit erhöhten Rechten starten. Das ist keine dauerhafte Freigabe des ganzen Systems. Grafische Verwaltungsprogramme können ebenfalls eine Berechtigungsabfrage auslösen. Der Unterschied zwischen Benutzerkonto und administrativer Berechtigung steht in Benutzer und Berechtigungen.

dpkg, APT und Paketquellen

Die Paketbasis ist dpkg: Es verwaltet installierte Debian-Pakete im .deb-Format. APT und das damalige Kommandozeilenwerkzeug apt-get ergänzen die Arbeit mit Paketquellen, Abhängigkeiten und Aktualisierungen. Wird ein Programm ausgewählt, können benötigte Bibliotheken aus den eingerichteten Quellen mit installiert werden.

Ubuntu 10.04 bot grafisch sowohl Synaptic als auch das Ubuntu Software Center. Beide erleichterten die Auswahl von Software, mit unterschiedlicher Darstellung und Ausrichtung. Paketquellen, auch Repositories genannt, enthalten Paketlisten und passende Pakete für die Distribution.

Einzelne .deb-Dateien konnten auch lokal installiert werden. Charakteristisch war daher nicht der Verzicht auf Installationsdateien, sondern die zentrale Verwaltung über Paketquellen und Paketwerkzeuge. Abhängigkeiten und geeignete Quellen blieben auch bei lokalen Paketen wichtig. Die spätere Snap-Paketwelt gehört nicht in den Desktop von 2010. Eine Einordnung bietet Softwareinstallation und Paketverwaltung.

Desktopalltag und Verbindungen

NetworkManager erleichterte die Verwaltung von Ethernet- und WLAN-Verbindungen, soweit die Hardwaretreiber das Gerät unterstützten. Ein Webbrowser wie Firefox, Büroprogramme und Multimediaanwendungen gehörten zum typischen Desktopalltag. Welche Programme tatsächlich vorhanden waren, hing auch von Ausgabe und nachinstallierten Paketen ab.

Netzwerkzugang, Dateifreigaben und Paketdownloads sind verschiedene Dienste, keine einheitliche Cloudfunktion. Hinter der grafischen Verbindungsauswahl stehen Protokolle und Treiber; Grundlagen erläutert Netzwerk und Internet.

Von GNOME 2 zu Unity

Die Reihenfolge 10.04 LTS, 10.10 und 11.04 zeigt einen Übergang statt eines einzelnen Schnitts: Zunächst blieb GNOME 2 erhalten, anschließend änderte Unity den sichtbaren Desktopzugang. Linux-Unterbau und Paketverwaltung verschwanden durch den Oberflächenwechsel nicht.

Windows 7 ist ein zeitgenössischer Vergleich aus einer anderen Systemfamilie. Panels, Arbeitsflächen und Paketverwaltung setzen andere Schwerpunkte als Startmenü, Taskleiste und Windows-Installationsprogramme. Der Vergleich Ubuntu 10.04 und Windows 7 stellt diese Konzepte gegenüber.

Die GNOME-2-inspirierte Simulation

Nachgebildet sind die beiden Panels, Anwendungen, Orte und System sowie vier Arbeitsflächen. Der Dateimanager arbeitet mit virtuellen Dateien. Dazu kommen Terminal, Texteditor, interner Browser, Systemmonitor, Netzwerkanzeige, Erscheinungsbild, Paketverwaltung, Hilfe und Systeminformationen.

Das Terminal verarbeitet eine fest implementierte Befehlsauswahl deterministisch, nicht als echte Linux-Shell. Die Paketverwaltung verändert nur einen simulierten lokalen Paketstatus; sie lädt und installiert keine Software. Netzwerk- und Prozesswerte sind Beispieldaten. Der Browser zeigt interne Portalinhalte, nicht das freie Web.

Die Simulation greift nicht auf Ihre Dateien oder Geräte zu und enthält keine originale Ubuntu-Installation. Alle Oberflächen sind eigenständig und historisch inspiriert.