Betriebssystemfamilie

RISC OS - eigenständiger Schreibtisch auf ARM

RISC OS kam von Acorn Computers und lief auf Rechnern mit ARM-Prozessor. Die Oberfläche geht andere Wege als Windows, AmigaOS oder Mac OS: Icon Bar statt Taskleiste, Pinboard als Schreibtisch und Anwendungen, die als Verzeichnisse abgelegt werden.

Was ist RISC OS?

RISC OS ist ein grafisches Betriebssystem, das Acorn Computers ab 1987 für die eigenen Rechner entwickelte. Es ist kein UNIX, kein Linux und kein Mac-Derivat, sondern eine eigenständige Entwicklung. Kennzeichnend sind die sehr kompakte Bedienung, die enge Verbindung von Dateiverwaltung und Oberfläche sowie der geringe Speicherbedarf.

Acorn Computers und die ARM-Geschichte

Acorn war in Großbritannien vor allem durch Schulrechner bekannt. Für den Nachfolger dieser Reihe entwickelte das Unternehmen einen eigenen, bewusst einfach gehaltenen Prozessor: ARM. Diese Prozessorfamilie überdauerte Acorn deutlich und ist heute weit verbreitet. RISC OS war die Oberfläche, die von Anfang an auf diese Rechner zugeschnitten war.

Bausteine des Schreibtischs

  • Icon Bar

    Das zentrale Bedienelement am unteren Bildschirmrand: links Laufwerke und Verzeichnisse, rechts laufende Anwendungen.

  • Pinboard

    Der Schreibtisch selbst. Angeheftete Objekte sind Verweise auf Dateien, Verzeichnisse und Anwendungen.

  • Filer

    Die Dateiverwaltung. Jedes Verzeichnis öffnet ein eigenes, kompaktes Fenster.

  • Application Directories

    Anwendungen sind Verzeichnisse mit führendem Ausrufezeichen, etwa !Edit. Der Filer startet sie als Programm.

  • Dateitypen

    Jede Datei trägt einen Typ. Er bestimmt Symbol und Standardanwendung, nicht die Dateiendung.

  • Drag-and-drop

    Laden und Speichern laufen klassisch über das Ziehen von Dateisymbolen zwischen Fenstern.

Stationen der Plattform

  • Acorn Archimedes (1987)

    Der erste Rechner mit ARM-Prozessor und einer eigenen grafischen Oberfläche von Acorn.

  • RISC OS 2 (1989)

    Die Oberfläche bekam ihren bis heute bekannten Namen und den Filer in vertrauter Form.

  • RISC OS 3 (1991)

    Deutlich erweiterter Funktionsumfang, unter anderem mit dem Pinboard als Schreibtisch.

  • Risc PC (1994)

    Acorns modularer Arbeitsplatzrechner mit austauschbarem Prozessorträger.

  • RISC OS 3.7 (1996)

    Späte Acorn-Version der klassischen Linie, abgestimmt auf StrongARM-basierte Risc PCs.

  • Spätere Entwicklung (ab 1999)

    Nach dem Ende von Acorn wurde die Plattform von anderen Anbietern weitergeführt.

Historische Bedeutung

RISC OS zeigt, wie unterschiedlich grafische Oberflächen gedacht werden können. Wer den Vergleich sucht, findet mit AmigaOS, Mac OS und Windows drei ganz andere Antworten auf dieselben Fragen.